Engagement für Frieden, Ökologie und soziale Gerechtigkeit

Hier veröffentlichen wir unregelmäßig Themen und Aktionen, die uns interessant erscheinen oder die wir direkt unterstützen, bzw. mit ins Leben rufen.

Über Anregungen freuen wir uns.

 

Drogerie-Gründer Götz Werner macht sich für ein Grundeinkommen für alle stark. Im Interview spricht er über Hartz IV und die Menschenrechte, Faulheit als Krankheit und das magere Erbe für seine sieben Kinder.

Herr Werner, sind sie Träumer, Visionär oder Revolutionär?
Ein guter Unternehmer ist alles drei.

Reich wurden Sie mit Ihren dm-Drogerien, bekannt als Prediger für ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Die Idee verbreitet sich epidemisch. Wenn ich wollte, könnte ich jeden Tag irgendwo zu dem Thema sprechen.

Ihr erstes Buch provozierte großes Aufsehen, jetzt legen Sie nach und verlangen 1000 Euro vom Staat für jeden, vom Baby bis zum Greis.
Die 1000 Euro im Monat sind eine Größenordnung, um menschenwürdig in der Gesellschaft leben zu können – eine Art soziale Flatrate, das würde die Sozialbürokratie dramatisch entlasten.

Alle anderen Sozialleistungen, Kindergeld, Rente et cetera würden im Gegenzug gestrichen?
Zum Thema

  • Audio-Slideshow: Grundeinkommen
  • Grundeinkommen: Einkommen, ohne zu arbeiten
  • Gesucht: Eine neue Balance im Sozialstaat
  • Der Waldorf-Konzern: Tinkturen und jede Menge Gemüse

Nein, die 1000 Euro sind die Basis. Hat jemand höhere Ansprüche, etwa durch die Rente, kriegt er die Differenz obendrauf. Die 1000 Euro gibt’s in jedem Fall.

Erster Einwand: Wer soll das bezahlen?
Das ist eine verfängliche, aber irrige Frage.

Mit Verlaub: 1000 Euro pro Kopf und Monat, das sind bei 82 Millionen Deutschen etwa eine Billion Euro. Woher soll das Geld kommen?
Das Finanzierungsproblem stellt sich nicht. Wir alle leben nicht vom Geld, sondern von Gütern. Die richtige Frage lautet daher: Ist die Gesellschaft in der Lage, so viele Güter und Dienstleistungen zustande zu bringen, dass 82 Millionen Menschen in der Größenordnung von mindestens 1000 Euro davon leben können. Da ist die Antwort – bei einem Bruttosozialprodukt von 2500 Milliarden und Konsumausgaben von 1800 Milliarden Euro – eindeutig ja.

Das heißt: Der Staat nimmt sich die Hälfte und verteilt es gleichmäßig auf Köpfe um.
Der Begriff Verteilung ist unpassend und zudem sozialistisch kontaminiert. Ich rede davon, dass den Menschen Zugang zu Gütern und Dienstleistungen gewährt wird. Wer den nicht hat, der verhungert oder wird kriminell. Von alters her, schon bei den Römern, brauchte der Mensch eine Lebensgrundlage. Was früher eigener Grund und Boden war, ist heute das Grundeinkommen; das Äquivalent zum freien Mann auf freier Scholle.

Ihre Widersacher führen dagegen Apostel Paulus ins Feld: Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen.
Der Bibelspruch wird missbraucht. Paulus meinte: Wer sein Stück Grund und Boden nicht bearbeitet, soll nicht essen. Die Zeit der Selbstversorgung aber ist vorbei. Übertragen auf heute müsste es heißen: Wenn du dein Grundeinkommen nicht ausgibst, wirst du verhungern.

Die Arbeit auf der Scholle erforderte Muskelkraft und Schweiß, das Grundeinkommen verlangt gar nichts – man muss nur zum nächsten Discounter laufen und konsumieren.
Richtig.

Das ist ungerecht.
Warum?

Weil dann jemand anderes arbeiten muss, damit Brot und Wurst in den Supermarkt kommen.
In der Realität arbeiten wir schon heute nie für uns selbst, sondern für andere – das ist die Konsumgesellschaft. Ihr Argument unterstellt, dass, wer ein Grundeinkommen erhält, nicht mehr arbeitet.

Genau. Das ist der zweite gewichtige Einwand gegen Ihre Idee.
Auch dieses Argument ist wenig überprüft, wie ein Blick in die Steuerstatistik beweist: Hunderttausende Bürger haben so viel Einkommen aus Vermietung, Verpachtung, Kapital, dass sie nicht arbeiten müssten – sie tun es trotzdem, die sind bienenfleißig. Ist das nicht Empirie genug? Wer Augen hat, der sehe, wer Ohren hat, der höre, kann ich da nur sagen. Trotzdem begegnet mir dieser Einwand immer wieder.

Weil Lehrer und Sozialarbeiter aus Hartz-IV-Milieus berichten, wo Menschen mühsam beigebracht werden muss, morgens aufzustehen und an Arbeit auch nur zu denken.
Das wäre bei Ihnen und bei mir doch nicht anders, wenn man uns triezen würde, etwas zu tun, was wir nicht wollen.

Dank der 1000 Euro vom Staat macht jeder nur noch, worauf er Lust hat?
Ja. „Freiheit ist: nicht tun zu müssen, was man soll“ – dieser Satz Rousseaus wird zur neuen Regel. Das eigentlich Revolutionäre besteht im Wandel des gesellschaftliche Klimas: Mit 1000 Euro im Monat ist der Mensch von niemandem mehr abhängig, nicht von Familie, Kunde oder Arbeitgeber. Wer die Arbeit nur macht, weil er das Geld braucht, findet jeden Morgen fünf Gründe, nicht aufzustehen. Die habe ich auch, nur fällt mir noch ein sechstes Argument ein, warum ich trotzdem aufstehe: Das ist notwendig, was ich heute mache, das ist sinnvoll für die Welt, das will ich.

Nicht jeder hat so hehre Ziele.
Die sind gar nicht nötig. Die Menschen können skurrile Motive haben, und sei es nur, zu den 1000 Euro etwas dazuzuverdienen, um sich eines Tages den Ferrari leisten zu können. Aber stellen Sie sich dieses erhabene Gefühl vor: Sie laufen durch die Straßen und sehen nur Menschen, die etwas tun, weil sie das aus eigenen Stücken wollen.

Trotzdem: Mit Ihrem Modell wird das Land zum großen Volksheim, der Staat sorgt für alle, niemand muss mehr etwas leisten.
Nein, im Gegenteil: Gerade durch das Grundeinkommen entsteht Leistungsvermögen. Wenn ich mir keine Sorgen um meine Existenz machen muss, kann ich mich an neue Ideen wagen. Wir beide könnten sagen: Wir versuchen uns als Musiker oder als IT-Start-up, das Grundeinkommen gibt uns die Freiheit, das auszuprobieren. So schaffen wir viel mehr Risikobereitschaft, viel mehr Unternehmertum.

Sie beschwören die kreativen Kräfte, die ein Grundeinkommen freisetzt: Glauben Sie wirklich, aus den Deutschen wird ein Volk von Hölderlins, die Lyrik fabrizieren?
Wenn der Weltmarkt für Gedichte so groß ist, könnten wir auch davon in Saus und Braus leben. Wenn der Weltmarkt für IT-Innovationen wächst, wird das zur Grundlage.

Im Moment sieht es so aus, als zahle die Welt eher für deutsche Autos und Maschinen.
Auch die S-Klasse muss mit viel Kreativität geschaffen werden.

Was aber wird aus den dreckigen und langweiligen Jobs? Bleibt diese Arbeit liegen, wenn jeder Träumen hinterherjagt?
Eine Gesellschaft hat immer drei Möglichkeiten, wenn sie will, dass Leistung generiert wird: Entweder Sie gestalten den Arbeitsplatz so, dass er attraktiv wird…

Sie zahlen höhere Löhne.
Ja, oder Sie automatisieren. Wenn beides nicht klappt, bleibt nur eines: die Arbeit selbst zu machen. Wenn Sie Menschen zu Arbeiten zwingen, werden sie die Sache nicht gut machen.

Sie gehen von einem hoffnungsvollen Menschenbild aus: Jeder hat eine Idee, in der er sich verwirklichen will.
Ja, unbedingt. Der Mensch hat immer die Tendenz, über sich hinauswachsen zu wollen. Diese Initiativkräfte wecken wir mit dem Grundeinkommen.

Was machen wir mit Leuten, die nicht mehr wollen als vor dem Fernseher die Füße hochlegen?
Diese Menschen brauchen Sozialarbeit. Wer nichts mit sich anzufangen weiß, der ist krank.

Und von Sozialpädagogen zu heilen?
Zumindest zu behandeln. Psychisch Kranke sind hilfsbedürftig wie Menschen, die nach einem Unfall querschnittgelähmt sind. Sie fallen auch der Fürsorge der Gemeinschaft anheim.

Es ist doch ein Unterschied, ob jemand krank und arbeitsunfähig ist oder schlicht faul.
Faulheit ist auch eine Krankheit. Selbst wenn nicht: Niemand kann einfach sagen: Der soll verhungern, weil er faul ist.

Das wird im deutschen Sozialstaat nicht passieren. Auch wenn Sie Hartz IV als „offenen Vollzug“kritisiert haben.
Dazu stehe ich. Es ist offensichtlich: Der Hartz-IV-Empfänger verliert einen Teil der Menschenrechte.

Sie übertreiben.
Nein, Hartz IV verstößt gegen mehrere Artikel im Grundgesetz: Zwangsarbeit ist verboten, die freie Berufswahl garantiert, ebenso Niederlassungs- und Wohnungsfreiheit, diese Rechte schränkt Hartz IV ein, wie im offenen Strafvollzug eben. Zudem wird immer verschwiegen, dass der Hartz-IV-Empfänger weniger Transferzahlungen erhält als ein Mitglied der Mittel- und Oberschicht: Wenn Sie zweimal im Monat mit Ihrer Frau in die hochsubventionierte Oper gehen, erhalten Sie von der Gemeinschaft höhere Transferleistungen als die meisten Hartz-IV-Empfänger. Nachdem das Verfassungsgericht anerkannt hat, dass die Regelsätze ein menschenwürdiges Leben ermöglichen müssen, ist es nur noch ein kleiner Schritt in Richtung Grundeinkommen.

Wo sehen Sie Mitstreiter in der Politik für Ihre Idee?
Das ist für mich keine Fragestellung. Die Politiker orientieren sich an dem Wind, der aus der Gesellschaft weht – diesen Impuls zu stärken, dafür arbeite ich. Wenn wir das Denken ändern, dann wird die Politik reagieren. Es gilt der Ausspruch von Victor Hugo: nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.“

Im Moment stehen Superreiche hoch im Kurs, die ihr Vermögen stiften und damit die Welt verbessern.
So ganz verstehe ich den Rummel darum nicht, das ist alter amerikanischer Lebensstil. Reich zu werden ist in Amerika keine Schande, reich zu sterben schon. Hier in Deutschland ist es gerade umgekehrt: Der Reiche muss sich zu Lebzeiten für sein Vermögen rechtfertigen. Hinterlässt er aber den Nachkommen nichts, ist es eine Schande.

Wie denken Sie in der Frage: eher deutsch oder amerikanisch?
Amerikanisch.

Ihre sieben Kinder haben zu leiden, weil Sie nichts vererben?
Meine Kinder leiden deswegen nicht, im Gegenteil, die werden gefördert, indem sie sich selbst beweisen müssen. Meine Unternehmensanteile habe ich in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht. Kinder haben einen Anspruch auf einen guten Start ins Leben, aber nicht darauf, dass Eltern für den lebenslangen Wohlstand ihrer Nachkommen sorgen. Da halte ich es ganz mit dem amerikanischen Pioniergeist: Mit einem bedingungslosen Grundeinkommen kann jede Generation zeigen, was sie kann.

Götz Werner, 1944 geboren, eröffnet 1973 in Karlsruhe seinen ersten dm-Drogeriemarkt. Daraus wird ein Konzern mit 34.000 Mitarbeitern, 2200 Filialen und 5,2 Milliarden Euro Umsatz.
Der Gründer hat die Geschäftsführung abgegeben und sitzt heute im dm-Aufsichtsrat. Außerdem kämpft er für ein bedingungsloses Grundeinkommen. In diesen Tagen erscheint sein neues Buch (verfasst mit Adrienne Goehler): „1000 Euro für jeden. Freiheit, Gleichheit, Grundeinkommen“, Econ.

Das Gespräch führte Georg Meck.
Text: F.A.S. / Bildmaterial: Frank Röth

Zum Thema Grundeinkommen haben wir im letzten Jahr schon mehrfach Veranstaltungen durchgeführt und Links zu wichtigen INFORMATIONEN veröffentlicht:

www.grundeinkommen.de
http://de.wikipedia.org/wiki/Unternimm_die_Zukunft
> _blank>http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/464837>>

FILME zum Thema:

http://www.kultkino.ch/kultkino/besonderes/grundeinkommen
http://grundeinkommen.tv

Und im August 2010 nun einen neuen Artikel der FAZ Online gefunden,
der interessante Antworten von Herrn Götz Werner auf skeptische Fragen bietet:

Den Link zum Beitrag auf der Originalseite finden Sie HIER

ProKulturgut.Net und Partner nehmen am Klima-Aktionstag teil, um auf die derzeit wichtigste Zahl der Welt hinzuweisen

Einer von über 4500 gleichzeitig stattfindenden Events in über 173 Ländern

Bochum Dahlhausen – Ruhrstadt: 24. Oktober — Menschen aus dem Ruhrgebiet haben sich heute versammelt um im Rahmen der Malaktion in der S-Bahnunterführung an der ONE WORLD STATION Bahnhof Dahlhausen eine von über 2000 gleichzeitig stattfindenden Aktionen in 173 Ländern, die von 350.org anlässlich des umfassendsten Klima-Aktionstags organisiert werden, der Handeln beim Klimawandel fordert.

„Es gibt keinen Zweifel mehr daran, dass die Bürger der Kulturhauptstadt 2010 von der Weltgemeinschaft wirkliches Handeln gegen die Erderwärmung sehen wollen, bevor es noch schlimmer wird“.

In der ganzen Welt – von Hauptstädten bis zu den schmelzenden Hängen des Mount Everest, selbst unter Wasser auf sterbenden Korallenriffen, – haben Menschen Kundgebungen abgehalten. Diese Kundgebungen zielen darauf ab, die Aufmerksamkeit auf die Zahl 350 zu richten, da Wissenschaftler in den vergangenen Jahren wiederholt geäußert haben, dass 350 ppm die sichere Obergrenze an CO2 in der Atmosphäre ist.

„Aus diesem Grund schmelzen Gletscher und Meereis, Dürren breiten sich aus und Überschwemmungen nehmen zu“, sagt Bill McKibben, Gründer von 350.org und Autor des vor 20 Jahren erschienenen ersten großen Buches zum Thema Klimawandel. „Und deshalb benötigen wir eine riesige globale Bewegung, die uns den Schwung verleiht, politisch wirklich etwas zu verändern. Unsere Politiker haben über einen langen Zeitraum den großen Konzernen und großen Umweltverschmutzern zugehört. Heute ist es endlich an der Zeit, die Bürger und Wissenschaftler zu erhören“.

Diese weltweiten Aktionen finden sechs Wochen vor dem Zusammentreffen der Nationen der Welt in Kopenhagen anlässlich der Klimawandelkonferenz der Vereinten Nationen statt, bei der ein neuer Klimavertrag ausgearbeitet werden soll. Bereits 89 Länder unterstützen das Ziel 350, sowie Rajendra Pachauri, Vorsitzender der Zwischenstaatlichen Sachverständigengruppe für Klimaveränderungen (IPCC), Sir Michael Stern, weltweit führender Klima-Ökonom, und Nobelpreisgewinner Al Gore.
Bilder der weltweiten Events und der Kundgebung wurden am Times Square in New York als Teile des 350 Countdown auf den riesigen Videoleinwänden dargeboten. Die Bilder sind auf 350.org (mit einer Option nach Ort suchen) und werden am Montag an die Vereinten Nationen zugestellt.

„Es wurde gesagt, dass die Wissenschaft der Erderwärmung für den Durchschnittsbürger nur schwer verständlich ist“, sagte McKibben. „Die gestrigen Ereignisse belegen, dass Millionen Bürger genau verstehen, worum es in den nächsten Jahren geht, und dass sie schnelles Handeln wollen, um die Zukunft zu schützen“.

Die Akademie der Kulturen NRW und die Schule der Künste, Kunstschule des Kulturgut e.V. sowie viele andere Mitglieder und Partner im Prokulturgut.net unterstützen das Projekt 350ppm.

Über die 350.org-Aktion

• 350.org ist eine internationale Kampagne, die sich der Erstellung eines

gerechten Klimaschutzvertrags gewidmet hat, in dem es darum geht,

Kohlendioxid unter 350 ppm (Teilchen pro Million) zu bringen.

• 350 ist die Zahl, die führende Wissenschaftler als die sichere Grenze für

Kohlendioxid, das in „parts per million“(Teilchen pro Million) in unserer

Atmosphäre gemessen wird, ansehen. [Für mehr Informationen zu der

Wissenschaft von 350 gehe zu 350.org/science]

• Trotz der aktuellen Werte von 390 können wir durch eine starke Erhöhung

des Kohlepreises erreichen, dass wir nicht mehr so viel davon verwenden.

Doch gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass arme Länder trotzdem eine

faire Chance haben, sich zu entwickeln. Wenn uns das alles gelingt, werden

wir das Ruder herumreißen, eine saubere Energiewirtschaft entwickeln und

einen ernsthaften langfristigen Schaden verhindern können.

Über den 24. Oktober

• In sechs Wochen werden Regierungen in Kopenhagen, Dänemark;

zusammenkommen, um auf der UN-Klimakonferenz einen neuen

Klimaschutzvertrag zu erstellen. Das ist unsere einzige Chance, Einfluss auf

den Vertrag zu nehmen und sicherzustellen, dass er uns schnell zu 350

bringt.

• Der 24. Oktober 2009 wird als ein internationaler Aktionstag an Hunderten

von Orten auf der ganzen Welt – vom Taj Mahal bis zum Great Barrier Reef –

organisiert, um auf die Dringlichkeit eines drastischen internationalen

Abkommens zur Senkung der CO2-Emissionen aufmerksam zu machen.

http://www.350.org

Aus: artprojournal 2008

Mahnwache in Essen

Mahnwache und Mantrasingen für Frieden in Tibet und in der Welt

Bericht über eine ungewöhnliche Aktion des „Netzwerks für Frieden und Menschlichkeit“

Wer in den letzten Wochen durch die Essener Innenstadt ging oder sich in der Nähe des Bochumer Rathauses aufhielt, war vielleicht zunächst ein wenig überrascht, plötzlich auf eine Gruppe Menschen, flankiert von tibetischen Flaggen und Gebetsfahnen, zu treffen. Durch eine Dauermahnwache, tibetische Mantragesänge und Meditationen sowie durch verschiedene Petitionen machen seit Anfang April die Aktivisten des ‚Netzwerks für Frieden- und Menschenrechte’ die deutschen Mitbürger auf die politische Lage in Tibet aufmerksam und versuchen, Einfluss auf das Geschick der grausam verfolgten Tibeter zu nehmen.
Einer der Initiatoren der Friedensaktion ist Reinhard Kreckel, Leiter der Akademie der Kulturen NRW. In einem Interview gibt er Auskunft über die Ziele und Perspektiven dieses außergewöhnlichen Engagements.

Die Aktionsform ‚Mantren, Mahnwache und Meditation’ ist in Deutschland bislang doch eher ungewöhnlich. Warum haben Sie sich dafür entschieden?

RK: Wir wollten etwas machen, das an die Traditionen des tibetischen Volkes anknüpft. Daher bestand unsere Idee zunächst darin, Mantren mit einer Mahnwache zu kombinieren: Die Essener Heilpraktikerin Annette Rohde und ich beschäftigen uns seit langer Zeit mit Mantren – auch für Heilzwecke. Mantra Healing ist eine alte traditionelle Methode aus der Tibetischen Medizin. Ein Mantra ist die Umsetzung einer Intention in Klang und dient der Übertragung der darin schwingenden Bedeutung. Es spricht die Emotion und den Geist an.
Die Wiederholung eines Mantras – gleich ob gedacht, geflüstert, gesprochen oder gesungen – erfüllt diejenigen, die es rezitieren, und die Atmosphäre, welche die Schwingung empfängt, mit seiner Bedeutung. Die Menschen in Tibet wissen: Es wirkt, auch ohne dass man es mit rationalem Denken verstehen muss. Den Tibetern, mit denen und für die wir etwas machen, ist diese Methode von Energieschaffung etwas Vertrautes.

Und warum zusätzlich die Mahnwache?

RK: Wir wollten, dass die Friedensmantren nicht aufhören zu erklingen, bis sich etwas Positives tut. Daher läuft die Aktion Tag und Nacht, seit dem 5.4.08 nonstop … Außerdem setzt eine Mahnwache innerhalb der Innenstadt ein viel deutlicheres Zeichen als z.B. ein Infotisch.

Welche Mantren eignen sich besonders im Hinblick auf die aktuelle Situation in Tibet?

RK: Wir rezitieren vor allem das Mantra der Tara, die für Tatkraft, Befreiung und Heilung steht: ‚Om tare tuttare ture soha‘. Zusätzlich verwenden wir das im Westen vielleicht bekannteste Mantra ‚Om mani peme hung’ (bzw. sanskrit: Om mani padme hum), das Mantra der Liebe und des Mitgefühls. Schließlich geht es uns darum, eine friedliche Welt zu schaffen … Nach 21 Tagen gab es ja auch eine erste kleine Erfolgsnachricht: China hat dem Dalai Lama einen Dialog angeboten – in welcher Form auch immer! Dieser 25. April ist der Tag des 19. Geburtstags des Panchen Lamas, der seit 1995 von den Chinesen verschleppt ist …

Wie viele Leute haben sich durchschnittlich beteiligt?

RK: Glücklicherweise standen direkt von Anfang an engagierte, fleißige Helfer bereit, so dass wir permanent fünf Leute vor Ort waren, manchmal hatten wir bis zu 50 Menschen am Zelt – nachts entsprechend weniger.

Wie war die Reaktion der Bevölkerung?

RK: Wir mussten den Leuten nicht hinterherlaufen. Die sahen das Zelt, die Fahnen und fragten, wie sie uns helfen können. Die Unterstützer wurden von uns im Internet auf den Petitionslisten eingetragen und sofort gezählt: Bis zum 30.04.08 waren es 1,7 Mio. weltweit, davon allein 3000 von uns im Ruhrgebiet gesammelt. Einige Passanten haben sich uns spontan angeschlossen, mitgesungen und -meditiert. Dabei ergab sich eine gute Mischung der Interessenten: Menschen aus allen Schichten, In- und Ausländer, Kurden, die ebenfalls Verfolgte sind, Mitarbeiter der Kirchen und Volkshochschulen, Arbeitslose, Obdachlose, Regierungsbeamte, Polizisten und Soldaten in Zivil und sogar Punks, die sich zum Teil dazugesetzt und mitmeditiert haben.

Die Tibetinitiative Deutschland / Essen ist mitbeteiligt – welche anderen Organisationen gehören außerdem zum ‚Netzwerk für Frieden- und Menschenrechte’?

RK: Der Verein der Tibeter in Deutschland e.V., Jugendverbände, Kirchenmitarbeiter, Buddhistische Zentren, z.B. das in Bochum und viele andere Vereine, Geschäftsleute und Privatpersonen, es werden ja ständig mehr …

Wie beurteilen die beteiligten Tibeter selbst die Aktion im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung? Dazu antwortet Kasang Dorje, Exiltibeter und Mitglied der Tibetinitiative Deutschland / Essen.

Kasang Dorje: Die Aktionen hier haben auf jeden Fall geholfen, sie haben die weltweiten Proteste unterstützt. Freunde von mir haben berichtet, dass die Chinesen die Tibeter mittlerweile ein wenig vorsichtiger behandeln, weil sie wissen, dass die Augen der Welt auf sie gerichtet sind.

Wie beurteilen Sie die Frage der Olympischen Spiele inzwischen? Wie ist ihre Position dazu: Sollten die Spiele stattfinden?

Kasang Dorje: Ich glaube nicht, dass irgendjemand die Chinesen davon abhalten kann, diese Spiele stattfinden zu lassen … mehr kann ich dazu wirklich nicht sagen.

Wie können die Menschen dem tibetischen Volk in Zukunft weiterhelfen?

Kasang Dorje: Sie sollten weiterhin Öffentlichkeit schaffen und Unterschriften sammeln. Wir Exiltibeter sind gut geschützt, wo immer wir sind, ob in Deutschland, Großbritannien oder den USA – die Menschen in Tibet sind es nicht!

Die letzte Frage an Sie, Herr Kreckel: Wie geht es nun weiter mit dieser Aktion?

RK: Wir setzen die Aktion bis mindestens Mitte Mai fort. Bis dahin unterstützen wir weiterhin Petitionen nationaler und internationaler Menschenrechtsorganisationen und die Friedensbemühungen des Dalai Lama. Dazu veranstalten wir oder beteiligen uns an Friedensaktionen – z.B. Mahnwachen, Mantrasingen, Kulturveranstaltungen und Informationsvorträge. Wir wollen, dass sich etwas ändert in Tibet und in der Welt

> zur Galerie der Mahnwache in Essen

WISSEN UND HANDELN …
Sie können zum Frieden beitragen!

Liebe Freunde, Partner, Interessenten,
Informationsempfänger von Aktivitäten
und Mitglieder des Prokulturgut.net e. V.!

Anlässlich der furchtbaren Verletzungen von Menschenrechten durch die in China herrschende Regierung hat sich Anfang April auf unsere Initiative hin das unparteiliche und überkonfessionelle Netzwerk für Frieden und Menschlichkeit gegründet und seitdem Informationsveranstaltungen und Mahnwachen für Frieden in Tibet und in der Welt durchgeführt. Daran beteiligt sind z.B. die Tibetinitiative Deutschland/Essen, der Verein der Tibeter in Deutschland e.V., Jugendverbände, Kirchenmitarbeiter, Buddhistische Zentren und viele andere Vereine, Geschäftsleute und Privatpersonen.

Wir unterstützen Petitionen nationaler und internationaler Menschenrechtsorganisationen und die Friedensbemühungen des Dalai Lama.
Dazu veranstalten wir oder beteiligen uns an Friedensaktionen – z.B. Mahnwachen, Mantra-Singen, Kulturveranstaltungen, Vorträgen, Demonstrationen und Friedensmärschen. Die Veranstaltungen finden in NRW und anderen Bundesländern, z.T. auch in anderen Ländern der Europäischen Gemeinschaft, statt.

Unser zur Verfügung stehendes Wissen um die aktuelle Situation in Tibet bitten wir weiterzutragen und möchten Ihnen, Euch oder Dir dazu authentische Informationsquellen an die Hand geben:

http://www.rfa.org/english/

www.phayul.com (original tibetan site in english)
www.tibetsites.com (most complete information and lot of links)
www.igfm-muenchen.de/tibet/tibetstart.html
(umfangreichste deutsche Webseite zum Thema Tibet und Menschenrechte
der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte, IGFM)
www.igfm-muenchen.de/tibet/diir/2008/OffenerBrief30chinIntel.html
(Offener Brief couragierter chinesischer Schriftsteller
an die Chinesische Regierung)
Zeitschrift Ursache & Wirkung
(Interview mit Geshe T. Dhargye über die Ursachen des Konflikts)

Von Herzen bitten wir alle, die im eigenen Lebensbereich zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu nutzen, um Einfluss auf einen positiven Ausgang der Zustände zu nehmen.

Einige der Möglichkeiten sind:
– Online-Beteiligung an der Menschenrechts-Petition von AVAAZ,
www.avaaz.org/de/tibet_end_the_violence/7.php?cl=63262222

um China aufzurufen, die Menschenrechte in Tibet zu achten und endlich einen Dialog mit dem Dalai Lama zu beginnen:
– Aktion Schneelöwe. Unterstützen Sie den gewaltlosen Kampf des Dalai Lama und seines Volkes!

Macht mit und unterstützt die Petitionen – aktiv oder als Gast bei der

– „Mahnwache mit Klängen für Frieden in Tibet und der Welt“:
des „Netzwerks für Frieden und Menschlichkeit“
(überkonfessionell, unparteilich und für alle, die Frieden für alle wollen!)

Bei dieser Nonstop-Aktions-Veranstaltung im Zentrum Essens werden Tag und Nacht tibetische Friedens-Mantren in unterschiedlichsten Variationen und Interpretationen (klassische Rezitation, Gesang, Weltmusik, Jazz, Rock) gesprochen, gesungen und gespielt – bis sich etwas Positives tut.

Interessierte, Musiker und Künstler können ständig dazukommen und wieder gehen – Passanten können dabei sein, sich informieren, Petitionen unterstützen, eine Weile mitsingen. Nachts sind leises Singen, Rezitationen und täglich auch Meditationsangebote vorgesehen.

Begleitend gibt es aktuelle Informationen durch die beteiligten Initiativen
sowie groß projiziertes Film-, Bild- und Tonmaterial – historisch bis tagesaktuell.

Die Aktion wird teilweise per webcam übertragen, Presse, Radio und Fernsehen berichten.

Menschen und Gruppen, die helfen können bei der Vorbereitung und Durchführung des Projektes sowie Partner und Unterstützer aus privaten, gewerblichen oder öffentlichen Zusammenhängen sind willkommen und werden gebeten, sich mit den Koordinationsstellen (zur Zeit im BoLa – Haus der Kulturen, Essen 0201-878940 und in der Akademie der Kulturen in Bochum 0234-3247830) in Verbindung zu setzen.

Spenden an den gemeinnützigen Trägerverein sind absetzbar und werden bescheinigt. Sie fließen direkt dem Zweck der Bildung bzw. der Förderung internationaler Gesinnung und Toleranz auf allen Gebieten der Kultur und des Völkerverständigungsgedankens zu.

Die Informationen dieses Artikels inklusive der obigen web-links an eigene Verteiler weiterzuleiten kann ebenfalls helfen! Bitte tut, was Ihr könnt.

Mit besten Wünschen und friedvollen Grüßen

Rechungpa Reinhard Kreckel
fon 0201-56 31 678, 0178-206 4003
für das
„Netzwerk für Frieden und Menschlichkeit“
offen, unparteilich und überkonfessionell
c/o Akademie der Kulturen NRW /
BoLa. Haus der Kulturen, Bildung und Medien
http://www.prokulturgut.net

Spendenkonten:

ProKulturgut.Net e.V.
Sozialbank Köln, BLZ 37020500
Spendenkonto: 722560

Kulturgut e.V.
Sozialbank Köln, BLZ 37020500
Spendenkonto: 7205200

Alle Bilder der Free Tibet Online-Galerie (Zur Bildersammlung der Mahnwachen und Aktionen für Tibet und den Weltfrieden) können auch in druckbarer Qualität bestellt werden: 0234/5892040