Wer am Donnerstag Nachmittag durch die Bochumer Innenstadt gegangen ist, musste zwangsläufig stehenbleiben und sich zu den zahlreichen PassantInnen gesellen, denen ein seltenes Spektakel inmitten der City präsentiert wurde.
Wenn im geregelten Alltag der Bochumer Stadtmitte Polizei, Feuerwehr und das Technische Hilfswerk auftauchen, kann man davon ausgehen, dass etwas unerfreuliches passiert ist. An diesem Tag war das anders. Das Fidena Festival für Figurentheater eröffnete heute mit einer ungewohnten Darbietung, von der niemand so genau wusste, was das jetzt eigentlich sollte. Ohne einen wirklichen Anfang konnte man Klassiker des Figurentheaters in übergroßer Aktion sehen. Während der Kasper sich an einem Gebäude abseilt spaziert das Krokodil mit einer (Krokodil-) Ledertasche auf dem Dach des Baltz-Kaufhauses herum, bis die Feuerwehr auftaucht und es mithilfe eines Krans zurück auf die Straße holt. Das war selbstverständlich noch nicht alles. Während diesem doch sehr einnehmenden Schauspiels singt ein Chor auf dem Balkon der Sparkasse und eine Kinderhockeymannschaft nimmt einen Großteil der Straße in Besitz, lässt den Leuten vom Tiefbauamt aber noch genug Platz einen Gullideckel zu öffnen und den Teufel hinabsteigen zu lassen. Aufsteigen tut gleichzeitig ein Tänzerpaar, nämlich auf den Wagen des THW und beginnt zu Musik aus dem Wageninnern einen flotten Tangotanz. Das Krokodil wird auf dem Boden von der Menge freudig begrüßt und die anwesenden PolizistInnen bemühen sich um eine Wegbeschreibung zum Schauspielhaus, in dem das Festival eigentlich stattfinden soll.
Soweit die begrenzten Impressionen, die ein einzelner Mensch von diesem großen Spektakel einfangen konnte. Wer mehr sehen möchte, dem sei ein Besuch des Fidena Festivals ans Herz gelegt, welches vom 16. bis 24. Mai in Bochum, Herne und Essen stattfindet.
Weitere Infos unter: http://www.fidena.de
Ruben Luckardt

reclaimthestreets

Eine in Deutschland seltene Ausstellung findet ab Ende Januar in der Bochumer Multi Kulti Gallery of Arts statt: Dort werden originale afrikanische Holzmasken aus den letzten einhundert Jahren präsentiert. Die Ausstellung ist eine einmalige Gelegenheit, sich in die Welt der afrikanischen Maskenkunst zu versetzen.

„Die Masken repräsentieren einen wichtigen Aspekt der afrikanischen Kultur,“ erläutert der Galerist und Maler Soba do Cristo Toko die Bedeutung der Ausstellung, die am Sonntag, den 22. Januar 2006 um 11.30 Uhr mit einer Vernissage und einem Vortrag zu afrikanischen Masken beginnt. Soba do Cristo Toko erklärt: „Die Kunst der afrikanischen Masken wird bis heute von den meisten europäischen Ethnologen und auch Künstlern und Kunstwissenschaftlern missverstanden. Sie konzentrierten sich auf die religiöse – kultische Bedeutung der Masken und übersahen völlig, dass es sich auch um eine eigenständige afrikanische Kunstform handelt.“

Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts fand die afrikanische Maskenkunst überhaupt das Interesse der Europäer. Ethnologen wie der Deutsche Leo Frobenius konzentrierten sich jedoch in ihrer ethnologischen Forschungsausrichtung ausschließlich auf die kultischen Aspekte der Masken. Auch die Adaption der Maskenkunst durch europäische Künstler wie Picasso, Max Ernst oder die Expressionisten überging die originäre Bedeutung der Masken als Ausdruck afrikanischer Kultur, indem sie die äußere Erscheinung der Masken als Inspiration für ihre eigenständigen Werke nahmen.

Auch die auf dem Kunstmarkt erhältlichen Masken der Gegenwart sind bereits einer europäischen Vorstellung von afrikanischen Masken angepasst – sie sind nicht Original in dem Sinne, dass sie in einen kulturellen Zusammenhang eingebettet entstanden sind, sondern sind Zeugnis einer kulturellen Rekolonialisierung Afrikas. Ähnlich, wie Weltmusik zerstörerisch auf die afrikanische Volksmusik einwirkt, weil sie sich dem europäischen Geschmack anpasst, ist das Kunsthandwerk weitestgehend seiner kulturellen Wurzeln beraubt.

Insofern ist diese Ausstellung einmalig – denn sie repräsentiert einen Querschnitt durch afrikanische Maskenkunst, die im kulturellen – kultisch-religiösen Zusammenhang entstanden ist. Die Masken stammen aus dem gesamten letzten Jahrhundert und entstanden in Ost-, Zentral- und Westafrika. So treten Fetischfiguren der Songye in einen spannungsvollen Dialog mit zahlreichen Masken und Kultgegenständen der Ethnien der Luba, Hemba, Rega (Zaire), Senifu, Guro und Baule (Elfenbeinküste) – gleichermaßen kunstvoll gearbeitet wie auch die vielen Gebrauchsgegenstände dieser Ethnien.

Die Vernissage findet am Sonntag, den 22. Januar 2006 ab 11.30 statt. Die Galerie ist an diesem Tag bis 21.00 Uhr geöffnet. Zur Vernissage gibt es einen einleitenden Vortrag, der Galerist kann jedoch auch über den Tag fachkundige Erläuterungen zu den Exponaten geben. Die Eröffnung wird von afrikanischer Musik begleitet. Der Eintritt ist frei.

Multi Kulti Gallery of Art Bochum
Soba do Cristo Toko
Alte Hattingerstraße 17
44789 Bochum

Telefon: 49(0)234-3254324
mobil: 49(0)173-3518368

maskenausstellung

Die Hommage-Reihe Century of Songs der Ruhrtriennale setzte im September einen neuen Höhepunkt mit einem Gemeinschaftskonzert von Laurie Anderson und Steve Nieve in der Lichtburg Essen.

Steve Nieve (Klavier und Gesang) eröffnete das Konzert mit einem verzaubernden Set.

Atmosphärisch schöne und dichte Arrangements, sehr sanfte, melodiöse Musik mit wunderbaren Musikern. Die Klänge konnten richtig verzaubern, außer die Singstimme von Steve Kneve – da hätte man sich manchmal gewünscht, er hätte auf’s Singen verzichtet – aber nichtsdestotrotz – ein wunderschöner Sound, der zum Träumen einlud.

Nach der Pause – endlich – Laurie Andersson. Sie spielte mit den gleichen Musikern wie Steve Nieve, das heißt zum ersten Mal mit ihnen auf der Bühne. Vom ersten Stück an fesselte sie durch die musikalische Dichte der Stücke, humorvolle und geistreiche Texte (1. Stück sogar auf deutsch, Hänsel und Gretel in Berlin – Er zu ihr: Wir haben unser Leben an einer Legende verschwendet …)

Laurie Anderson schreckt nicht vor gesellschaftskritischen Themen oder der Beschreibung von universellen, globalen und menschlichen Schicksalen und Katastrophen zurück. Eingebettet in wunderbare, experimentelle Musik mit warmen, mitfühlenden Texten, gelingt es ihr, nicht im Leid zu versinken, sondern zu berühren, nachdenklich zu machen. Immer wieder sind ihre Texte auch witzig und bringen vieles auf ganz überraschende Weise auf den Punkt. Laurie Anderson ist seit vielen Jahren eine der experimentierfreudigsten Musikerinnen der gesamten Musikszene. Sie spielt mit Texten, Medien, setzt Musikinstrumente (Stimme, Violine, Keyboards, Elektronik) auf völlig ungewohnte Art ein und hat selbst das Instrument auch verändert (umgebaut), so dass sie es voll für ihre Art der Musik nutzen konnte. – Eine große Verbeugung vor einer großen Musikerin mit einem großen Herzen! –

Im Zusammenspiel von Steve Nieve und Laurie Anderson begeisterten auch Greg Cohen (Kontrabass), Kenny Wollessen (Schlagzeug), Julian Siegel (Sax, Klarinette, Querflöte) und Vincent Segal (Cello) das Publikum so, dass es sich für den Applaus drei mal zwei Zugaben verdiente.

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Zbigniew Moder hat in seiner Heimat Polen klassische und E-Gitarre gelernt. Er wurde 1967 in Knornow geboren, wo er in Gliwice die Musikschule absolvierte. Jetzt erschien seine erste Solo-CD.

Neben der klassischen Musik arbeitet er schon seit Studienzeiten mit Jazz- und Rockformationen zusammen. In der letzten Zeit spielt er öfter mit der Band Los Magnificos aus Bochum (Ex Los Paraguayos). Gegenwärtig arbeitet er auch mit Park Avenue aus Duisburg zusammen.

Im Herbst 2004 erschien seine erste Solo-CD Viator. Auf Viator präsentiert Moder neben Stücken für klassische Gitarre auch Eigenkompositionen und traditionelle Musik.

Weiteres Material für eine geplante zweite CD liegt vor und ist in Arbeit.

Zbigniew Moder: Viator

Hörproben aus der aktuellen CD:

* Ave Verum (W.A. Mozart) (MP3 – 0,9 MB)
* Suite Nr. 1 BWV 1007 (J.S. Bach)
* Variation on the theme of: What shall we do with the drunken sailor?
* Viator (Z.T. Moder)

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Das Hörspiel Die Entdeckung der Farbe behandelt die Tunisreise der Maler Paul Klee, August Macke und Louis Moillet im Jahre 1914. Es basiert auf den Tagebuchaufzeichnungen Paul Klees, aus denen von Anna Thalbach Originalauszüge vorgetragen werden. Eigentlich ist dieses Hörspiel ein Sehspiel, denn es entführt nicht nur in die Landschaft Tunesiens, sondern weckt auch die dort entstandenen Bilder zu neuem Leben.

Die Hörreise folgt den Spuren der drei Maler, die in zwölf Tagen das Werk ihres Lebens schufen. Der aufwändig gestalteten CD liegt eine Reisekarte bei, die hilft, dem Reiseweg zu folgen. Konsequent ist das Hörspiel in Kapitel eingeteilt, die den wichtigsten Reisestationen von der Landung in Sidi Bou Said über Tunis, Saint German und Hammamet nach Kairouan folgen. Das Hörspiel ist nicht nur ein Experiment, weil es versucht, Bilder im Kopf zu produzieren, sondern auch, weil es gleichzeitig als Reisehörspiel konzipiert ist. Die Autoren Laif Karpe und Marco Klaß entführen in ihren Dialogen unter die Sonne Afrikas und lassen die Landschaften und die Malereien wieder lebendig werden.

Die Kulturinitiative Lesbar hat dieses Hörspiel zu einem multimedialen Event umgearbeitet. Parallel zu dem Hörspiel werden die Aquarelle gezeigt, die während der Tunisreise entstanden sind. Das Event wird mit tunesischer Musik, teilweise tunesischer Atmosphäre und tunesischen Speisen und Getränken ergänzt. Auch im BoLa wurde dieses Hörspiel bereits multimedial präsentiert. Das Hörspiel-Event kann auch gebucht wurden.

Die Entdeckung der Farbe – die Tunisreise der Maler Paul Klee, August Macke und Louis Moillet

Steinbach sprechende Bücher
Hörbuchverlag
Am Markt 2
74523 Schwäbisch-Hall

www.sprechendebuecher.de

Hörprobe als MP3

Die CD dauert ca. 60 Minuten.
Real-Video: Einführung in das Werk Paul Klees – ca. 30 Minuten, Englisch, Real Player

Die Wise Guys – eine a-capella-Gruppe bestehend aus 5 Sängern – überzeugten auch dieses Jahr wieder mit ihrem Programm das Essener Publikum. Ihre frische lebensfrohe Art und die herzliche Beziehung untereinander sprangen auf die Zuschauer über.

Die witzigen und humorvollen Ansagen schufen eine Atmosphäre, in der man offen war für die darauf folgenden Lieder. Die Stücke waren teils von der neuesten CD Radio und teils ältere Werke.

Das Programm, in dem Themen aufgegriffen werden, die alle interessieren und angehen, sollte auf die Weihnachtszeit einstimmen und war für meinen Geschmack diesmal nicht so vielseitig wie im letzten Jahr.

Manche Stücke ähnelten sich sowohl musikalisch als auch inhaltlich gesehen ein wenig zu sehr und handelten von der Enttäuschung über verlorene Beziehungen und den Frust über Frauen.

Musikalisch waren die Sänger aber sehr überzeugend, auch die Choreographie wirkte noch professioneller als im letzten Jahr. Die ironischen Bemerkungen über die schönste Konzerthalle Deutschlands, nämlich die Grugahalle, und der Versuch, den Zuschauern aus den weit entfernten obersten Rängen unten nahe der Bühne noch Sitzplätze zu vermitteln, gaben dem Zuschauer das Gefühl, in ihrer Situation wahrgenommen zu werden und zusammen mit den Künstlern in einem Boot zu sitzen. Die Begeisterung kannte keine Grenzen mehr, als die Freude am Singen mit den Zuschauern geteilt wurde und diese selbst dazu eingeladen wurden mitzusingen, was auch die meisten mit viel Spaß taten.

Mehrere Zugaben wurden gegeben, spätestens da war auf den Stühlen kein Halten mehr. Leider ging das Licht zu früh an, sonst hätten die Wise Guys vielleicht noch das von allen ersehnte Lied „Ohrwurm“ gesungen. Vielleicht im nächsten Jahr?

Es läuft jedenfalls schon der Vorverkauf für den nächsten Auftritt am 07.12.2007 … Auf jeden Fall haben die Künstler das geschafft, was sie am Anfang als ihr Ziel angekündigt haben – nämlich den Zuschauern die Gelegenheit zu geben, sich zwei Stunden lang vom Alltag zu erholen und einmal so richtig mit viel Spaß abzuschalten und mehr als gut unterhalten zu werden! Auf jeden Fall empfehlenswert!